KLEINE GESELLSCHAFT FÜR KUNST UND KULTUR

 

Freitag, den 9. November ab 19 Uhr

Schubertstraße 3 in Hamburg Barmbek-Süd

Kleine Gesellschaft für Landschaften 1

Bianca Müllner „Vapour“. Acryl, Gouache und Lack auf Leinwand, 160×220 cm, 2014

 

Helge Emmaneel
Simon Hehemann
Dieter Maertens
Bianca Müllner,
Wofgang Oelze
Claus Sautter
Knut Sennekamp

 

Nach der Kleinen Gesellschaft für Flora und Fauna vor längerer Zeit muß es folgerichtig eine für die Landschaft geben, also für die Bilder, die sich die Menschen von Anordnungen natürlicher Gegebenheiten machen. Andererseits sind Landschaften auch eine Kategorie künstlerischen Ausdrucks, man denke an das Wort vom „Landschafter“ für einen Maler dieses Genres, das uns besonders interessiert. Und zwar so stark, dass wir schon Weiteres zum Thema planen, denn die Vielfalt dieses Gebiets ist allzu groß.

Die Unterschiedlichkeit in der Herangehensweise der hier vertretenen Künstler und Künstlerinnen trägt dem Rechnung, sowohl in ihrer Ausdrucksweise, wie auch durch die Inhalte, die im jeweiligen Landschaftsbild begründet sind. Seien es Luftbilder von Bianca Müllner, die einen Blick aus großer Höhe wiedergeben mögen – oder Bilder der Luft, Helge Emmaneels Wolken, wie sie nicht zuletzt in der Landschaftskunst der Romantik gemalt wurden. Orte mit rätselhaft anmutenden Phänomenen geben dagegen die Bilder Wolfgang Oelzes wieder und Knut Sennekamps Doppelbilder führen in stark assoziative Richtungen. Wenn unberührte Landschaft eine Utopie bleibt, ist vom Dystopischen nicht zu schweigen: Dieter Maertens zeigt Kriegslandschaften als Ereignis, während Claus Sautters Fotografien die vernarbten Orte früherer Kriegshandlungen abbilden.

Die Mittel der Darstellung sind in dieser Ausstellung weitgehend auf Malerei, Zeichnung und Fotografie beschränkt – Simon Hehemann allerdings wird, neben materialgesättigten Bildern, in der Mitte des Raumes eine neue eigens für diese Ausstellung gefertigte Installation zeigen.

 

Finissage am Freitag, den 23. 11. 2018 ab 19 Uhr

Besuch nach Vereinbarung unter 0178 786 000 6

 

 

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September/Oktober 2018

Wir laden ein am Samstag, den 6. Oktober um 19 Uhr in die Schubertstraße 3 in Hamburg Barmbek-Süd zur Finissage der


Kleinen Gesellschaft für die

portugiesische Reise zu den

Espigueiros und Pelourinhos

Alexander Rischer, Pelourinho, Porto, 2009

 

Eine Ausstellung von

Philipp Grassmann

Alexander Rischer

Hans Thalgott

 


Hans Thalgott, Skizzenbuch, Portugal , 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die portugiesische Reise fand im August 2009 statt. Bei einem gemeinsamen Betrachten der drei Bände „Arquitectura popular em Portugal“, die bis 1980 über einen Zeitraum von nahezu dreißig Jahren entstanden waren, wuchs die Idee, zwei besonders signifikante skulpturale Kleinarchitektur-Typen des Landes persönlich aufzusuchen: Die Espigueiros und die Pelourinhos.

Die Beschäftigung mit diesen Objekten und Ordnungen erfolgte mit Zeichnungen, Planskizzen und Fotografien, die nun erstmalig im Zusammenhang in der Kleinen Gesellschaft gezeigt werden.

 

Philipp Grassmann, Espigueiros, Soajo, Portugal, 2009 Portugal,

Bei den Espigueiros handelt es sich um archaische Getreidespeicher aus Stein, die wie auf Säulen gestellte Sarkophage einer alten Kultur anmuten und um den außerhalb des Ortes gelegenen Dreschplatz gruppiert sind. Liegt dieser kahle Dreschplatz auf einer Anhöhe, wie etwa in Soajo, gibt dieses Ensemble ein Bild ab, das einer kleinen Akropolis gleicht. Auch hier offenbart sich, wie richtig Bilder liegen können, denn die Theorie, Konstruktion und Gestalt des griechischen Tempels verdankten sich einem Speicher solchen Typs und ließen sich regelrecht aus diesem sukzessive ableiten, ist so wunderbar, wie sie auch umstritten ist. Als wollten die portugiesischen Speicher eine solche Vermählung von Profanem und Heiligem noch bekräftigen – die Ernte und ihr Gelingen ist indes eine heilige Angelegenheit und ihre Früchte zu bewahren und zu schützen nicht minder – tragen sie mitunter Kreuze auf ihren Giebeln.

Die Pelourinhos sind nachmittelalterliche Steinpfeiler, rund oder polygonal, auf abgetreppten Sockeln, die ein Tabernakel tragen, offen oder geschlossen, wappen- oder auch kreuzbestückt und bekrönt. Sie ähneln frappierend den älteren Totenleuchten, wie sie in Frankreich seit dem 12. – und in Österreich, Süddeutschland und Böhmen bis ins 18. Jahrhundert errichtet wurden. Handelt es sich bei diesen Skulpturen um Kollektivmale des Totengedenkens, „Arme Seelen Lichter“ und des mystischen Lichtkultes, die das geistige, höhere Licht in die dunklen Niederungen des Landschaftsraumes bringen, repräsentieren die Pelourinhos, versteht man sie als „Schandpfähle“ oder „Pranger“, die weltliche Macht der Rechtsprechung und Ordnung, durch einen ganz und gar irdischen Herrn, der davon recht- oder unrechtmäßig Gebrauch macht. Sie sind Symbole dafür, das solches Recht am Ort gilt, und wie die Staup-, Stolp- und Prangersäulen andernorts, sind sie nicht nur attraktiver Signifikator der Stätte und zugleich das Instrument recht- oder auch unrechtmäßig vollstreckter Macht durch Strafe, sondern mehr noch Symbole einer gesellschaftlichen Ordnung, die sich solcher Strukturen des Überwachens und Strafens bedient, weil sie diese zu brauchen glaubt.

Versammelte man sich nun tatsächlich um diese Säulen, um einen an sie Gebundenen, der sich eines Vergehens gegenüber der Obrigkeit oder auch der Gemeinschaft schuldig gemacht hatte, mit faulen Früchten zu beschmeißen, so befand man sich selten in der Mitte des Hauptplatzes des Ortes, sondern bemerkenswerterweise zumeist etwas davon abgerückt. Die Pelourinhos sind Element eines komponierten Ensembles, das Resultat eines Ordnungssinns ist, der Weltliches wie Kirchliches repräsentativ am Ort bekleiden und verbinden will.

Alexander Rischer, Hamburg 2018

 


 

Der Titel der Reihe „Kleine Gesellschaft“ erinnert nicht  zufällig an  vergangene Zeiten, in denen es „Gesellschaften“ zur elektrifizierten Fortbewegung oder zur Erforschung des Südpols gab.

Wie viele dieser historischen Gesellschaften, wird auch die im April 2014 gestartete Reihe „Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur“   Zusammenkünfte zu interessanten Themen organisieren.

Die Veranstaltungen finden allerdings in einem privaten Raum statt.

Das bedeutet, es geht uns um das Zusammenbringen von Leuten und Ideen in zwangloser Atmosphäre.

Meist geht es um Ausstellungen, oft in der Verbindung von Kunst mit anderen Gegenständen, um so Möglichkeiten auszuloten, das jeweils gestellte Thema aus verschiedenen Perspektiven anzupeilen.

Es gibt aber auch Lectures, Lesungen und Hauskonzerte.

Themen und Stile sind dabei ebenso zeitlos wie aktuell, können umfassend wie auch mikroskopisch spezifisch sein.

Die Reihe fing im Übrigen thematisch ganz oben an, nämlich mit einer „Kleinen Gesellschaft für Zeit“ und setzte sich fort mit dem Urelement Wasser in Form einer „Kleinen Gesellschaft für Meer“.

 


 

März 2018

A CASE OF PLUS

Eine Kleine Gesellschaft für Alexander Raymond

Alexander Raymond, A.I. /d, 60×50 cm, Öl auf Leinwand 2017

am Freitag, den 23. März 2018  ab 19 :00

Schubertstraße 3  22083 Hamburg

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation

Finissage am 6. April 2018 ab 19 Uhr

 

Vom Schattenspiel

„In diesem Theater stammt alle Schöpfung von der Bühne, findet ihre Übersetzung und selbst ihre Ursprünge in einem geheimen psychischen Antrieb, der vor den Wörtern Wort ist.“

Antonin Artaud, Über das balinesische Theater

 

Schon ein erster Blick auf die Bilder von Alexander Raymond zeigt komplexe Oberflächen, die auf mehreren Ebenen vor- oder übereinander aufgebaut sind.

Die Gegenstände zeigen sich perspektivisch, was sich allerdings oft als in mehrere Richtungen lesbar erweist, als filmischer Aspekt in Zeit und Bewegung. Vieles der Objektwelt wirkt als künstliche, gebaute Erscheinung, gleichzeitig aber lebendig und gegenwärtig..

Dieses Zusammengefügte und Gebaute ist meist roh und offen, manchmal aber auch nahezu hermetisch geschlossen, wie etwa bei den trompe l´oeil Effekten mit Holzmaserungen oder besonders bei der oft verwendeten Wellpappen-Mimikry. Bei anderen Malereien aber, sitzt da nicht auch vieles zufällig auf der Bidfläche? Köpfe und Gesichter, Kartons, Rahmen von Bildern oder Fenstern, schemenhaft angelegte Pflanzen und Eindeutiges wie Möbel oder Plastiktüten erscheinen dort als die Gegenstände, deren Bezüge zueinander im Bild verhandelt werden. Der gesamte Bildraum mit seinen durch Lichtkontraste scharfgestellten Buschpflanzen, den wie exakt geschnittenen Papierbögen oder den weichen, fließenden Farbflächen ist so in ständiger Bewegung. Auch hier, bei der Malerei selbst, arbeitet Raymond mit eigentlich unvereinbaren Wechseln der Farbwerte, und der Texturen.

In vielen Bildern dominieren Schatten. Mal ist es schräg in die Bildfläche einfallendes Licht, das Palmenblättern ein Eigenleben auf dem Bild gibt. Auf anderen Leinwänden lässt stark durchbrechendes Gegenlicht Bäume den Hintergrund ausfüllen – so wie im indonesischen Schattenspiel die von hinten beleuchteten Figuren ihr Spiel auf der Leinwand treiben. So spielt sich das Geschehen der Motive Raymonds in einem gewissen Sinn auf einer Bühne ab.

Was ist der Gegenstand? Man sieht mehr, als man weiß –

Er ist oft nur unklar zu benennen, gerade in der Verdichtung unterschiedlicher Objekte, in ihrer Kombination, in ihrem Zusammentreffen auf der Bildfläche. Die Bilder sind emotional, sie sind visuell prägnant und sie wirken entgegen ihres oft komplizierten Bildaufbaus nicht konzeptuell, sondern vielmehr tatsächlich gesehen – was zutrifft, denn die gesamte Dingwelt Raymonds ist zuvor erdacht und gebaut worden, die Objekte seiner Bilder gibt es wirklich.

Dieses Konkrete einer Figur, eines Kopfes oder eines Möbels befindet sich auf einer Ebene, die der des Traumes gleicht, wenn etwa das abgebildete Stück Holz wie filmisch erscheint, der Kopf daneben aber erkennbar aus Wellpappe geformt ist. In den verschieden Traumzonen erscheinen unterschiedliche und unvereinbare Dinge wie selbstständig nebeneinander – alle Surrealismen haben davon profitiert. Oft genug ist dieser Kopf, die Maske oder das Gesicht ein Konglomerat aus Material und dessen Schatten. Diese miteinander verdichteten Wesen sind, wie Raymond selbst sagt, einem ihn umgebenden „Fundus an Realitäten“ entnommen, und zwar unmittelbar und direkt.

In seinen früheren Bildern liegen die Dinge, wenn auch rätselhaft, vermeintlich klarer vor Augen.

In den aktuellen ist die Verzahnung kleiner und kleinster Teile auf der Bildfläche übermächtiger und erschwert die Lesbarkeit dieser Malerei. Das Illustrative weicht hier einer abstrakteren Welt, die durch eine scharf eingestellte Optik viele, auch gegensätzliche Teile abbildet.

A.I.-e, 60x50cm, Öl auf Leinwand, 2018

Je mehr das Bild in diese Fragmente zerfällt, desto schwerer wird das Begreifen der Bilder. Es ist das Gleichzeitige und Paradoxe, das Überblenden von Bedeutungsträgern bis hin zum Tatbestand der Collage was – wie bei Gedichten – zu einem offenen Feld der Interpretation führt. Die Objekte und Gesichter – als Kippbilder des Gegensätzlichen unbelebt und belebt zugleich – sind Stellvertreter des Abwesenden. Sie verweisen auf das Leben und seine Magie und sind damit nichts anderes als die Darstellung der uns drängenden Geister.

Peter Boué

 

 


 

 

September 2017

Kleine Gesellschaft für Möbel und andere Hindernisse

 

mit Arbeiten von

Simon Hehemann

Daniel Hörner

Alexander Klenz

Lawrence Power

Stephan Vogel

Christoph Wüstenhagen

…es geht darum, das zu fixieren (in einer adäquaten Form), was man findet beim Malen, was man ertastet, was kurz aufblinkt. Es geht um den Versuch, das was in den Lücken liegt, was zwischen den Dingen schlummert und nur manchmal zum Vorschein kommt, festzuhalten und in eine Form zu geben. Diese Dinge die da erscheinen, die man herauslöst, sind Hinweise auf die Architektur der Welt (Wahnsinn) und man versucht sie zu beschreiben bevor sie sich in Kälte verwandeln und wieder im Schatten der großen Unaussprechlichkeit verschwinden.

Dinge zu tun, die an keinen klaren Zweck gebunden sind (Kunst) bewegen sich erst einmal ein einem Raum, dessen Definition recht löchrig ist. Einfach mal anfangen, etwas in Gang bringen. Um sich dann in diesem Raum zurechtzufinden, muss man sich gelegentlich bremsen um zu hinterfragen, was man da eigentlich gerade getan hat. Quasi das Hinterfragen als Echolot, um sich in diesem Raum zu orientieren, der ja sonst nur recht vage Definitionen zur Orientierung bietet. Ein permanentes Hallo in den Raum. Hinterfragen, Überprüfen sind wohl die sicherste Werkzeuge, welche einem zur Verfügung stehen, möchte man Dinge ohne Zweck kreieren. Der nicht vorhandene Zweck zwickt sozusagen das Vorhaben in die Ferse und lässt es so seltsam im Schatten der Funktionalität stehen. Etwas, was nicht funktional ist kann aber trotzdem funktionieren, doch wenn der Zweck zu sehr zwickt, kommt keine gute Kunst dabei heraus. Seltsamerweise ist Kunst aber doch meistens an einen Zweck gebunden. Dieser Zweck rührt aber nicht an dem, was klar abgesteckt ist und einen Staubsauger erklärt, sondern an Dingen, die sich in einem seltsamen Raum aus Gefühlen und Erkennenwollen abspielen. Dieses Erkennenwollen hängt mit dem Glauben zusammen, dass Kunst etwas mehr bereit hält als die Bedienungsanleitung für einen Staubsauger. Der Zweck liegt wie Staub auf der Erkenntniss, pustet man ihn weg findet man vielleicht etwas, was auch mit einem selbst zu tun hat. Ich kann mich nicht an etwas erfreuen, was nicht auch irgendwie mit mir zu tun hat, am besten, es ist etwas ganz tief in mir Liegendes. Wenn das erscheint, vor einem Ding ohne Zweck, kann man von einem Kunstwerk sprechen, vielleicht.

Dieses Hinterfragen als Werkzeug zur Orientierung hat vielleicht auch mit der Angst zu tun, eben doch etwas zu Zweckhaftes zu erschaffen, ausversehen. Etwas, das zu einfach ist, zu fertig. Zu fertig im Sinne von „zu grafisch“, „zu illustratorisch“ oder so. Etwas, was zu klar ist, zu vertraut, kann kein Erkennen ermöglichen. Die tollste Erkenntniss verbirgt sich vielleicht in etwas, was man eher fühlt als das, was man versteht. Kunst sollte nichts sein, was man versteht.

Christoph Wüstenhagen

 


 

Februar 2017

Kleine Gesellschaft für profane Reliquien

KLASSE TYPOGRAFIE HFBK, PROF. WIGGER BIERMA

mit Arbeiten von Manos Dimitrakis,

Christoph David Drange, Alice Dobersalske,

Julia Maiquez Esterlich, Elburuz Fidan, Julia Haugeneder,

Prarita Hongyont, Denis Kudrjasov, Atefa Omar,

Maximilian Scholl, Maximiliane Schmid,

Nino Svireli, Tobias Textor, Dodo Voelkel

und Antonia Zielinski
Die Ausstellung „Kleine Gesellschaft für profane Reliquien“ und das vorliegende Buch, ist das Ergebnis eines Projekt der Klasse Typografie der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
‘Was haben Reliquien mit Typografie zu tun?’, könnte man fragen. So wie die Meister des Gebiets es beschrieben haben in ihren Fachbücher, ist die Typografie mittlerweile selber eine Reliquie geworden. Eine etwas zynisches Antwort vielleicht – auch der Begriff Reliquie wird so eher in ihre übertragene denunzierende Bedeutung gedreht: etwas von früher im abwertenden Sinne gedacht, etwas das jetzt als abergläubisch und unsinnig behauptet wird.

Ein Reliquie ist ein Überbleibsel, ein Gegenstand religiöser Verehrung, insbesondere ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen.
Es mag klar sein, wenn Heute mit Studierenden die Reliquie in einer Ausstellung thematisiert wird, man keinen Zugriff auf Körperteile von tatsächlichen Heiligen hat. Man muss das Phänomen also im erweiterten Sinne definieren, und damit auch den Begriff des Heiligen.
Profane Reliquien sind Überbleibsel oder öfter Berührungsreliquien von Menschen, die außerhalb der Religion verehrt werden. Die Spazierstöcke von Franz Liszt
zum Beispiel, die mit ähnlicher Sorgfalt in Weimar aufbewahrt werden. Aber auch diese Kategorie von Gegenständen waren für uns, mit Ausnahme eines Exponats,unerreichbar. Wir haben also die Reliquie ‘frei’ aufgefasst. Es geht auch nicht so sehr um das ‘Was’ aber um das ‘Wie’.
Damit wird auch der Verband zur Typografie klar.
Typografie – die Anordnung von Schrift und Text – beschäf-
tigt sich höchstens mit der Redaktion, aber nicht mit
dem Inhalt des Textes. Typografie beschäftigt sich mit
deren Präsentation, dazu ist das Drucken, Vervielfältigen
und Veröffentlichen an sich ein Aufwertungsakt.
Auch bei Reliquien ist die Form der Präsentation ausschlaggebend. Da ein Knochen eines Heiligen sich anscheinend nicht von einem Knochen eines völlig Unbekannten unterscheidet, muss der Reliquienschrein deutlich machen worum es sich handelt. So kann die Umhüllung des Fragments des Heiligen die Relique wieder mit
seinem ursprunglichen Ort verbinden oder es wird nur
umschmeichelt von Schnörkeln und elaborierter Handarbeit, um auf ihre einzigartige Bedeutung hinzuweisen.
In den Gesprächen zu Beginn des Projekts wurden also die unterschiedlichen Aspekte der Reliquien beleuchtet. Erstens gibt es die verwandten Kategorien wie das Souvenir, das Beweisstück und die Trophäe, die alle auch erst
durch ihre Kontextualisierung zu sprechen beginnen.
Dann gibt es das aktuelle Thema der Fälschung/fake und
die Bedeutung des Schreins, der in Bezug zu der möglicherweise gefälschte Reliquie, oder das was als Reliquie präsentiert werden will, die Materialisierung der Lüge ist – der Rahmen, die dem Gerahmten einen anderen Status gibt.

 


 

 

August 2016

„Kleine Gesellschaft für den Blinden Fleck“

eine Solo Ausstellung von Alexander Rischer

mit einemVortrag von Nora Sdun

 

 

Alexander Rischer, Merrion Park, London 2016
Alexander Rischer, Maryon Park, London  2016

 

„Ich möchte es so beschreiben, daß ich in der Ausstellung versuche, auf die sakralen, auratischen, historischen, interessanten, surrealen, fetischisierten Artefakte, Dinge und Objekte, die sich üblicherweise als Stellvertreter, Türöffner, Schwellenhüter, Verführer und Mahner in meinen Fotografien tummeln, zu verzichten.

Deren objekthafte Attraktivität kürt sie recht nachvollziehbar zu Motiven.“ …

…weiter lesen bitte unter VERANSTALTUNGEN / AKTUELL

 


 

Februar 2016

„Kleine Gesellschaft für Helldunkel“

Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008
Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008

 

Mit Achim Hoops, Heiner Blumenthal, Henrik Hold, Jürgen Albrecht, Nir Alon, Peter Boué, Ralf Jurszo und Veronika Gabel.

Die Ausstellung hält sich nur wenig mit klassischen Motiven der Chiaroscuro- oder eben Helldunkelmalerei auf, also dem gezielten Einsetzen des Lichtes, wie wir es in der Tradition etwa von Rembrandt oder Caravaggio kennen. Die Ausstellung möchte das Helldunkel beim Begriff selbst nehmen,  ohne deren Herkunft in der Malerei zu verleugnen und ihn erweitern um unsere Anschauung der Dinge, das Helle und das Dunkle zu bewerten, und dabei existenziell und exemplarisch zu verfahren. Auf begrenztem Raum mit acht Künstlern – Vertreter künstlerischer Disziplinen wie Malerei, Zeichnung oder Skulptur – versuchen wir so eine breite Fächerung dessen zu zeigen, was „Hell-Dunkel“ sein mag.

Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100x70 cm
Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100×70 cm

Es beginnt zumindest folgerichtig mit dem Einbruch des Lichtes in einer Höhle – und damit, sich an dunklere Orte zu gewöhnen. Ein innerer Zusammenhang über das Räumliche ist in mehreren Arbeiten zu erkennen, Ein- und Ausgänge, Häuserfluchten und stark verschattete Innenräume sind wiederkehrende Motive. In anderen Arbeiten wird das Helle vom Schwarz umlagert oder es ist das Licht selbst, das den Raum in zufälligen Intervallen beleuchtet.

Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016
Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016

Die dreidimensionalen Werke strahlen wiederum in ganz anderer Weise aus sich selbst, beunruhigend hell einerseits, und archaisch und zeitlos ruhend andererseits.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

für Kunst und Kultur – Hamburg