KLEINE GESELLSCHAFT FÜR KUNST UND KULTUR

Wir laden ein am Freitag, den 03. Februar 2017  ab 19 :00 

in die Schubertstraße 3 in Hamburg Barmbek-Süd zur

Kleinen Gesellschaft für profane Reliquien

KLASSE TYPOGRAFIE HFBK, PROF. WIGGER BIERMA

 

 

mit Arbeiten von Manos Dimitrakis,

Christoph David Drange, Alice Dobersalske,

Julia Maiquez Esterlich, Elburuz Fidan, Julia Haugeneder,

Prarita Hongyont, Denis Kudrjasov, Atefa Omar,

Maximilian Scholl, Maximiliane Schmid,

Nino Svireli, Tobias Textor, Dodo Voelkel

und Antonia Zielinski

 
Die Ausstellung „Kleine Gesellschaft für profane Reliquien“ und das vorliegende Buch, ist das Ergebnis eines Projekt der Klasse Typografie der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
‘Was haben Reliquien mit Typografie zu tun?’, könnte man fragen. So wie die Meister des Gebiets es beschrieben haben in ihren Fachbücher, ist die Typografie mittlerweile selber eine Reliquie geworden. Eine etwas zynisches Antwort vielleicht – auch der Begriff Reliquie wird so eher in ihre übertragene denunzierende Bedeutung gedreht: etwas von früher im abwertenden Sinne gedacht, etwas das jetzt als abergläubisch und unsinnig behauptet wird.

Ein Reliquie ist ein Überbleibsel, ein Gegenstand religiöser Verehrung, insbesondere ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen.
Es mag klar sein, wenn Heute mit Studierenden die Reliquie in einer Ausstellung thematisiert wird, man keinen Zugriff auf Körperteile von tatsächlichen Heiligen hat. Man muss das Phänomen also im erweiterten Sinne definieren, und damit auch den Begriff des Heiligen.
Profane Reliquien sind Überbleibsel oder öfter Berührungsreliquien von Menschen, die außerhalb der Religion verehrt werden. Die Spazierstöcke von Franz Liszt
zum Beispiel, die mit ähnlicher Sorgfalt in Weimar aufbewahrt werden. Aber auch diese Kategorie von Gegenständen waren für uns, mit Ausnahme eines Exponats,unerreichbar. Wir haben also die Reliquie ‘frei’ aufgefasst. Es geht auch nicht so sehr um das ‘Was’ aber um das ‘Wie’.
Damit wird auch der Verband zur Typografie klar.
Typografie – die Anordnung von Schrift und Text – beschäf-
tigt sich höchstens mit der Redaktion, aber nicht mit
dem Inhalt des Textes. Typografie beschäftigt sich mit
deren Präsentation, dazu ist das Drucken, Vervielfältigen
und Veröffentlichen an sich ein Aufwertungsakt.
Auch bei Reliquien ist die Form der Präsentation ausschlaggebend. Da ein Knochen eines Heiligen sich anscheinend nicht von einem Knochen eines völlig Unbekannten unterscheidet, muss der Reliquienschrein deutlich machen worum es sich handelt. So kann die Umhüllung des Fragments des Heiligen die Relique wieder mit
seinem ursprunglichen Ort verbinden oder es wird nur
umschmeichelt von Schnörkeln und elaborierter Handarbeit, um auf ihre einzigartige Bedeutung hinzuweisen.
In den Gesprächen zu Beginn des Projekts wurden also die unterschiedlichen Aspekte der Reliquien beleuchtet. Erstens gibt es die verwandten Kategorien wie das Souvenir, das Beweisstück und die Trophäe, die alle auch erst
durch ihre Kontextualisierung zu sprechen beginnen.
Dann gibt es das aktuelle Thema der Fälschung/fake und
die Bedeutung des Schreins, der in Bezug zu der möglicherweise gefälschte Reliquie, oder das was als Reliquie präsentiert werden will, die Materialisierung der Lüge ist – der Rahmen, die dem Gerahmten einen anderen Status gibt.

 

 

 

 

Der Titel der Reihe „Kleine Gesellschaft“ erinnert nicht  zufällig an  vergangene Zeiten, in denen es „Gesellschaften“ zur elektrifizierten Fortbewegung oder zur Erforschung des Südpols gab.

Wie viele dieser historischen Gesellschaften, wird auch die im April 2014 gestartete Reihe „Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur“   Zusammenkünfte zu interessanten Themen organisieren.

Die Veranstaltungen finden allerdings in einem privaten Raum statt.

Das bedeutet, es geht uns um das Zusammenbringen von Leuten und Ideen in zwangloser Atmosphäre.

Meist geht es um Ausstellungen, oft in der Verbindung von Kunst mit anderen Gegenständen, um so Möglichkeiten auszuloten, das jeweils gestellte Thema aus verschiedenen Perspektiven anzupeilen.

Es wird aber auch Lectures, Lesungen und Hauskonzerte geben.

Themen und Stile sind dabei ebenso zeitlos wie aktuell, können umfassend wie auch mikroskopisch spezifisch sein.

Die Reihe fing im Übrigen thematisch ganz oben an, nämlich mit einer „Kleinen Gesellschaft für Zeit“ und setzte sich fort mit dem Urelement Wasser in Form einer „Kleinen Gesellschaft für Meer“.

Mehr unter Veranstaltungen/ Vergangene und Aktuelle

 

August 2016

„Kleine Gesellschaft für den Blinden Fleck“

eine Solo Ausstellung von Alexander Rischer

mit einemVortrag von Nora Sdun

 

 

Alexander Rischer, Merrion Park, London 2016
Alexander Rischer, Maryon Park, London  2016

 

„Ich möchte es so beschreiben, daß ich in der Ausstellung versuche, auf die sakralen, auratischen, historischen, interessanten, surrealen, fetischisierten Artefakte, Dinge und Objekte, die sich üblicherweise als Stellvertreter, Türöffner, Schwellenhüter, Verführer und Mahner in meinen Fotografien tummeln, zu verzichten.

Deren objekthafte Attraktivität kürt sie recht nachvollziehbar zu Motiven.“ …

…weiter lesen bitte unter VERANSTALTUNGEN / AKTUELL

 

 

 

Februar 2016

„Kleine Gesellschaft für Helldunkel“

Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008
Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008

 

Mit Achim Hoops, Heiner Blumenthal, Henrik Hold, Jürgen Albrecht, Nir Alon, Peter Boué, Ralf Jurszo und Veronika Gabel.

Die Ausstellung hält sich nur wenig mit klassischen Motiven der Chiaroscuro- oder eben Helldunkelmalerei auf, also dem gezielten Einsetzen des Lichtes, wie wir es in der Tradition etwa von Rembrandt oder Caravaggio kennen. Die Ausstellung möchte das Helldunkel beim Begriff selbst nehmen,  ohne deren Herkunft in der Malerei zu verleugnen und ihn erweitern um unsere Anschauung der Dinge, das Helle und das Dunkle zu bewerten, und dabei existenziell und exemplarisch zu verfahren. Auf begrenztem Raum mit acht Künstlern – Vertreter künstlerischer Disziplinen wie Malerei, Zeichnung oder Skulptur – versuchen wir so eine breite Fächerung dessen zu zeigen, was „Hell-Dunkel“ sein mag.

Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100x70 cm
Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100×70 cm

Es beginnt zumindest folgerichtig mit dem Einbruch des Lichtes in einer Höhle – und damit, sich an dunklere Orte zu gewöhnen. Ein innerer Zusammenhang über das Räumliche ist in mehreren Arbeiten zu erkennen, Ein- und Ausgänge, Häuserfluchten und stark verschattete Innenräume sind wiederkehrende Motive. In anderen Arbeiten wird das Helle vom Schwarz umlagert oder es ist das Licht selbst, das den Raum in zufälligen Intervallen beleuchtet.

Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016
Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016

Die dreidimensionalen Werke strahlen wiederum in ganz anderer Weise aus sich selbst, beunruhigend hell einerseits, und archaisch und zeitlos ruhend andererseits.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

für Kunst und Kultur – Hamburg