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Aktuell

Die nächste Kleine Gesellschaft findet im September und Oktober 2018 statt

( Eröffnung Freitag, den 21. 9. 2018 / Finissage am  Samstag, den 6.10. 2018)

Thema:  Drei Männer in Portugal

mit Phillip Grassmann, Alexander Rischer und Hans Thalgott

 

 

Am 9. November 2018 laden wir dann ein zur  Kleinen Gesellschaft für Landschaft (1) 


 

 

 

 

 

 

 

 

Wir laden ein am Freitag, den 03. Februar 2017  ab 19 :00 
in die Schubertstraße 3 in Hamburg Barmbek-Süd zur

Kleinen Gesellschaft für profane Reliquien

KLASSE TYPOGRAFIE HFBK, PROF. WIGGER BIERMA

mit Arbeiten von Manos Dimitrakis,

Christoph David Drange, Alice Dobersalske,

Julia Maiquez Esterlich, Elburuz Fidan, Julia Haugeneder,

Prarita Hongyont, Denis Kudrjasov, Atefa Omar,

Maximilian Scholl, Maximiliane Schmid,

Nino Svireli, Tobias Textor, Dodo Voelkel

und Antonia Zielinski
Die Ausstellung Kleine Gesellschaft für profane Reliquien und das vorliegende Buch, ist das Ergebnis eines Projekt der Klasse Typografie der Hochschule für bildende Künste Hamburg.
‘Was haben Reliquien mit Typografie zu tun?’, könnte man fragen. So wie die Meister des Gebiets es beschrieben haben in ihren Fachbücher, ist die Typografie mittlerweile selber eine Reliquie geworden. Eine etwas zynisches Antwort vielleicht – auch der Begriff Reliquie wird so eher in ihre übertragene denunzierende Bedeutung gedreht: etwas von früher im abwertenden Sinne gedacht, etwas das jetzt als abergläubisch und unsinnig behauptet wird.

Ein Reliquie ist ein Überbleibsel, ein Gegenstand religiöser Verehrung, insbesondere ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen.
Es mag klar sein, wenn Heute mit Studierenden die Reliquie in einer Ausstellung thematisiert wird, man keinen Zugriff auf Körperteile von tatsächlichen Heiligen hat. Man muss das Phänomen also im erweiterten Sinne definieren, und damit auch den Begriff des Heiligen.
Profane Reliquien sind Überbleibsel oder öfter Berührungsreliquien von Menschen, die außerhalb der Religion verehrt werden. Die Spazierstöcke von Franz Liszt
zum Beispiel, die mit ähnlicher Sorgfalt in Weimar aufbewahrt werden. Aber auch diese Kategorie von Gegenständen waren für uns, mit Ausnahme eines Exponats,unerreichbar. Wir haben also die Reliquie ‘frei’ aufgefasst. Es geht auch nicht so sehr um das ‘Was’ aber um das ‘Wie’.
Damit wird auch der Verband zur Typografie klar.
Typografie – die Anordnung von Schrift und Text – beschäf-
tigt sich höchstens mit der Redaktion, aber nicht mit
dem Inhalt des Textes. Typografie beschäftigt sich mit
deren Präsentation, dazu ist das Drucken, Vervielfältigen
und Veröffentlichen an sich ein Aufwertungsakt.
Auch bei Reliquien ist die Form der Präsentation ausschlaggebend. Da ein Knochen eines Heiligen sich anscheinend nicht von einem Knochen eines völlig Unbekannten unterscheidet, muss der Reliquienschrein deutlich machen worum es sich handelt. So kann die Umhüllung des Fragments des Heiligen die Relique wieder mit
seinem ursprunglichen Ort verbinden oder es wird nur
umschmeichelt von Schnörkeln und elaborierter Handarbeit, um auf ihre einzigartige Bedeutung hinzuweisen.
In den Gesprächen zu Beginn des Projekts wurden also die unterschiedlichen Aspekte der Reliquien beleuchtet. Erstens gibt es die verwandten Kategorien wie das Souvenir, das Beweisstück und die Trophäe, die alle auch erst
durch ihre Kontextualisierung zu sprechen beginnen.
Dann gibt es das aktuelle Thema der Fälschung/fake und
die Bedeutung des Schreins, der in Bezug zu der möglicherweise gefälschte Reliquie, oder das was als Reliquie präsentiert werden will, die Materialisierung der Lüge ist – der Rahmen, die dem Gerahmten einen anderen Status gibt.

 

 

 

 

 

 

Am 14. Oktober 2016

gab es die Kleine Gesellschaft für Abstrakte 1 

 

mit Arbeiten von Birgit Brandis, Dirk Meinzer und Benjamin Metzger

und einem Konzert des Gitarrenorchester Gilbert Couché

Benjamin Metzger o. T.
Benjamin Metzger , Ohne Titel, 2013, Oel auf Leinwand, 59×50 cm

„Der Aufstieg zu den gegenstandslosen Höhen der Kunst ist mühselig und voller Qualen…aber dennoch beglückend. Das Gewohnte bleibt immer weiter und weiter zurück…Immer tiefer und tiefer versinken die Umrisse des Gegenständlichen; und so geht es Schritt für Schritt, bis schließlich die Welt der gegenständlichen Begriffe – „alles was wir geliebt hatten – und wovon wir lebten“ – unsichtbar wird.

Keine „Ebenbilder der Wirklichkeit“ – keine ideellen Vorstellungen – nichts als eine Wüste!

Die Wüste aber ist erfüllt vom Geiste der gegenstandslosen Empfindung, der alles durchdringt.

…es war dies kein „leeres Quadrat“ was ich ausgestellt hatte, sondern die Empfindung der Gegenstandslosigkeit“.

…schreibt Kasimir Malewitsch 1927

Mit etwas weniger zeitgeschichtlichem Pathos kommt da schon Agnes Martin aus:

 

Dirk Meinzer, Dasein III, 2016
Dirk Meinzer, Dasein III, 2015, phosphoreszierende Gesteinsmehle, Schellack, Papier auf Leinwandkarton und Holz, 50×39,5 cm

 

„Man denkt gemeinhin, dass wir alles im Leben in Worte fassen können. Doch es gibt einen großen Bereich von Gefühlsreaktionen, die wir nicht in Worte fassen können.

Wir sind so an diese Gefühlsreaktionen gewöhnt, dass wir sie nicht bewusst erkennen, bis wir sie in Kunstwerken wiederfinden.“

Und weiter:

„Komposition ist ein absolutes Geheimnis. Sie wird vom Inneren diktiert. Der Künstler sucht nach bestimmten Klängen oder Linien, die seinem Inneren angenehm erscheinen, und schließlich nach einer Anordnung, die angenehm ist. …Ein Kunstwerk ist sehr kostbar, und zugleich ist es sehr selten. Es bedarf großen Fleißes, um eine Komposition zu erschaffen, die gänzlich angenehm ist….

und dann gibt sie uns noch diesen praktischen Rat mit:

Um im Leben vorwärts zu kommen, musst Du die Dinge aufgeben, die Du nicht magst. Gib es auf, die Dinge zu tun, die Du nicht magst. Du musst die Dinge finden, die Du magst. Die Dinge, die deinem Inneren angenehm sind.

Also dann: Findet die Dinge, die Eurem Inneren angenehm sind und fangt mit der Suche bei der Kleinen Gesellschaft an:

Wir bieten Euch feine abstrakte Kompositionen von Birgit Brandis, Dirk Meinzer und Benjamin Metzger. Ein höchst angenehmer Dreiklang gegenstandsloser Kunst.

Dazu gibts zur Eröffnung ein Konzert mit dem Gitarrenorchester Gilbert Couché das uns zu dieser Gelegenheit als Welturaufführung sein neues Stück “Explosionszeichnung“ mitbringen wird.

Die Musik beginnt um 20:30 Uhr.

Birgit-Brandis, Riff02, 2015
Birgit Brandis, Riff02, 2015, Oelkreide auf Papier, 42×30 cm

Wir freuen uns auf einen wundervollen Abend mit Euch und zitieren noch einmal die heilige Agnes: „Mach Glück zu Deinem Ziel“

 

 

 

 

 

 

 

Finissage am Freitag, den 28. Oktober 2016 ab 19:00 Uhr

 

 

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Zuletzt gab es die:

„Kleine Gesellschaft für den Blinden Fleck“

eine Solo Ausstellung von Alexander Rischer

 

Finissage war am 12. August 2016

in der Schubertstraße 3   Hamburg Barmbek-Süd

mit einem Beitrag von Nora Sdun

Alexander Rischer, Merrion Park, London 2016
Alexander Rischer, Maryon Park, London  2016

 

„Ich möchte es so beschreiben, daß ich in der Ausstellung versuche, auf die sakralen, auratischen, historischen, interessanten, surrealen, fetischisierten Artefakte, Dinge und Objekte, die sich üblicherweise als Stellvertreter, Türöffner, Schwellenhüter, Verführer und Mahner in meinen Fotografien tummeln, zu verzichten.

Deren objekthafte Attraktivität kürt sie recht nachvollziehbar zu Motiven.

Der blinde Fleck ist keine vom Aussterben bedrohte Sumpfpflanze sondern steht für ein Areal, das der Selbsterkenntnis aus eigener Perspektive nicht zugänglich ist, für Aspekte oder Facetten der eigenen Person also, die womöglich nur die Anderen sehen, die mithin etwas „wissen“ – und dieses Wissen nicht unbedingt mitteilen, sondern vielleicht  für sich behalten, weil sie es möglicherweise und irrtümlich für irrelevant erachten…

Darin liegt etwas Mythisches, potentiell aber auch etwas Anekdotisches.

Die Frage ist, wie man mit diesen Anderen, mit diesem Anderen – es müssen ja nicht zwingend Mit- oder Nebenmenschen sein – in kommunikativen Kontakt kommt, um die Erkenntnislücke zu schließen.

Oder aber – mit einer anderen Haltung – dies  doch  grundlegend zu akzeptieren: daß eben nichts und niemals reicht und eben auch räumlich nicht hinreicht.

Etwas beharrt etwas auf seiner Entzogenheit, darin eher in der Ferne angesiedelt, auch in einer unmittelbaren , als in Derridas Krypta, der Tiefe der Tiefe.

Ein kleiner Schritt die vertraute Sicht zu beugen, zu dehnen, bis hin zum Schielen, „crosseyed on crossroads“, ist also, worum es geht:

Dieser Schritt aus der Spur geht in den Sumpf oder ins Gestrüpp.

Lastend dunkel weich nach unten.

Zugleich licht und dornig sperrig nach oben.

Vorne ist in Schwierigkeiten.

Vielleicht geht es dabei also weniger um das, was man sieht – und fotografiert, also Ordungen zu finden, Ordungen zu entdecken, zu verbildlichen, zu behaupten – als vielmehr um das Stehen, das mit der Zeit zum Einsinken wird, um den Widerstand des Geästs und Geflechts, die einen am Fortkommen hindern.

Dafür sorgt diese nachgiebige und  zugleich fordernde sperrige, zutiefst stoffliche Logik des diffusen, weil noch nicht richtig gelesenen Ortes:

Zwischen den Polen Nasse Füße. Dorn im Auge, und das auch noch gleichzeitig. Himmel hilf.

 

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Freitag, den 19.02 ab 19 Uhr eröffneten wir die

„Kleine Gesellschaft für Helldunkel“

Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008
Achim Hoops , wvz 621, Buntsift, Kreide auf Holz, Stahlrahmen, 25x45cm, 2008

Mit Achim Hoops, Heiner Blumenthal, Henrik Hold, Jürgen Albrecht, Nir Alon, Peter Boué, Ralf Jurszo und Veronika Gabel.

Die Ausstellung hielt sich nur wenig mit klassischen Motiven der Chiaroscuro- oder eben Helldunkelmalerei auf, also dem gezielten Einsetzen des Lichtes, wie wir es in der Tradition etwa von Rembrandt oder Caravaggio kennen. Die Ausstellung wollte das Helldunkel beim Begriff selbst nehmen,  ohne deren Herkunft in der Malerei zu verleugnen und ihn erweitern um unsere Anschauung der Dinge, das Helle und das Dunkle zu bewerten, und dabei existenziell und exemplarisch zu verfahren. Auf begrenztem Raum mit acht Künstlern – Vertreter künstlerischer Disziplinen wie Malerei, Zeichnung oder Skulptur – versuchten wir so eine breite Fächerung dessen zu zeigen, was „Hell-Dunkel“ sein mag.

Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100x70 cm
Ralf Jurszo, Höhle, Öl auf Leinwand, 100×70 cm

Es begann zumindest folgerichtig mit dem Einbruch des Lichtes in einer Höhle – und damit, sich an dunklere Orte zu gewöhnen. Ein innerer Zusammenhang über das Räumliche war in mehreren Arbeiten zu erkennen, Ein- und Ausgänge, Häuserfluchten und stark verschattete Innenräume waren wiederkehrende Motive. In anderen Arbeiten wurde das Helle vom Schwarz umlagert oder es war das Licht selbst, das den Raum in zufälligen Intervallen beleuchtete.

Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016
Nir Alon, Blinking light and other acts, chair, light bulbs, 95x50x75 cm, 2016

Die dreidimensionalen Werke strahlten wiederum in ganz anderer Weise aus sich selbst, beunruhigend hell einerseits, und archaisch und zeitlos ruhend andererseits.

 

 

 

 

 

 

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April 2016

Am Samstag 16. April 2016 ab 19:00 zeigte die Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur die Ausstellung

„Schwarz wie die Nacht 2“

Jannes Martin "REDRUM" 2016, Foto/Print , 50x60 cm
Jannes Martin „REDRUM“ 2016, Foto/Print , 50×60 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

ein März-Ferien-Kunst Projekt mit Schülern aus 11. und 12. Klassen.

unter Leitung von  Peter Boué und Claus Sautter

 

 

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Am Samstag, den 13. 02 ab 19 Uhr und Sonntag, den 14. Februar zeigten wir :

Garrett Probst, "Wandsbeker Chaussee"
Garrett Probst, „Wandsbeker Chaussee“

„NEW STREETPHOTOGRAPHY- DIE WANSBEKER CHAUSSEE“

Ein Fotoprojekt mit Schülern aus 11.und 12. Klassen.

Mit  Annalena Hansen, Garrett Probst, Heide Martens, Jannes Martin, Jennifer Pries, Joel Stoehr, Karlotta Bohacz, Lasse Robers, Luna Wolter, Marlon Nicolaisen, Nooma Müller und Wanja Böhme.

 

 

 

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Im Oktober 2015 zeigten wir als erste Solo-Ausstellung in der Kleinen Gesellschaft:

Franziska Opel, Venus, 2015
Franziska Opel, Venus, 2015

Kleine Gesellschaft für Venus
Eine Ausstellung von Franziska Opel

Zur Finissage am 17. Oktober
gab es Live Musik von Salome Jijeishvili, Klavier

hier ein Link zu einem kleinen Youtube Video davon von Nino Svireli, vielen Dank, Nino!

https://www.youtube.com/watch?v=M8aEn5nqi8I

 

Nach fünf recht vielschichtigen Themen-Veranstaltungen präsentierten wir die von langer Hand geplante erste Einzelausstellung bei uns in der Kleinen Gesellschaft, der manch andere folgen sollen, immer im Wechsel zu weiteren Gruppen- und Themen-Ausstellungen.

Mit Franziska Opel (www.franziskaopel.de) konnten wir eine junge Künstlerin gewinnen, die hier einen humorvollen und hintersinnigen Umgang mit dem Feminismus vorführt. Dabei überzeugten ihre Arbeiten in einem Spannungsfeld aus  unerhörter Zartheit und großer ästhetischer Wucht. Für ihr Debut bei der Kleinen Gesellschaft hatte sie  zwei neue und eine speziell modifizierte ältere Arbeit angefertigt.
Begleitet wurde sie hierbei zur Vernissage von dem Klangkünstler porzellan, und zur Finissage gab es ein Klavierkonzert mit der georgischen Pianistin Salome Jijeisvili.

 

Franziska Opel (*1984) studierte bis 2014 an der HfBK Hamburg bei Matt Mullican und Wigger Bierma; 2012 erhielt sie das Karl-Ditze-Jahresstipendium für Diplomstudierende.

Top Gier

Franziska Opel arbeitet mit oft großformatigen, zu mehrteiligen Tableaus zusammengesetzten Tafeln von Bildern in häufiger Verbindung mit Sprache oder aber ausschließlich mit Text. Hinzu kommen auch Projektion, raumgreifende, ineinander verschachtelte Installationen oder Videoarbeiten. Parallel dazu publiziert sie in der Aufmachung sehr feine Bücher, in denen sie ihre Bildsprache auf sozusagen engstem Raum präsentiert und andere, die eher einem rein sprachlichen poetischen System folgen.

Sehr prägnant an Franziska Opels Arbeit ist die opulent zu nennende Hinwendung zur Typographie. Das meint, dass hier Schrift zusammen mit den verwendeten Fotografien zu einer inhaltlichen Verknüpfung kommt und so zu der Gesamtaussage der jeweiligen Singkünstlerischen Arbeit. Sie greift dabei bewusst auf klassische Avantgarden der Gestaltung zurück, kommt dabei aber nicht zu Fragen des Designs, sondern zu existenziellen Aussagen, die immer poetisch und doppelsinnig sind, wenn nicht oft auch explizit kritisch. Ihr Ausgangspunkt dabei ist immer der Mensch oder menschliche Verhaltensweisen – so etwa Gesten wie die ausgestreckte Zunge oder die erhobene Faust, also deutlich zu nennende Signale, deren offensichtliche Intention hinterfragt wird, ohne ihnen aber die Wucht zu nehmen.

English Version:

Artist: Franziska Opel (soloshow)
Venue: Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur, Hamburg
Date: October 2 – October 24, 2015
Franziska Opel (*1984,DE) studied at the Hfbk Hamburg at Matt Mullican and Wigger Bierma.
In 2014 she graduated cum laude. Her engagement with the manifestation of human facial expression and gestures, the application of typographical elements and concisely impressing images are the three constant qualities of her work. Her poetic texting, imaging and video editing often lead to elaborate installations. Her work has been exhibited i.a. in Köln, München, Berlin, Sofia, Graz, Milano and Prague. 2012 she received the annual scholarship of the Karl H.Ditze foundation for diploma students.
Her first soloshow in Hamburg is dedicated to Venus.
Venus  – a planet, a mythological and therefore recurring image in art history, appears again in her video work now framed in a digital church-window. Various versions of Venus, depicted by artists from Tizian to Michelangelo Pistoletto, are surrounded with colored graphic elements, but now the paintings are turned into black and white photographs. One Venus after an other appears. Rotating letters, like a silent voice-over, describe them as „HARD WORKING GIRLS“.  
The large words „FUNNY GAMES“, reaching almost from floor to ceiling in the exhibition space, remind of western-style lettering, of bones, but one could also see (funny) letters with balls. On the whole, the exhibition plays with the paradox of sin and holyness. This is featured best by a self-made vending machine offering an oversized (A4) playing card for one Euro. The cards show praying hands with the word PLAY juggled around them, and on the filpside the same hands mimic a gun with the word PRAY around them. In the exhibition also Mars – Venus‘ counterpart – shows up in heraldic emblems. 

 

 

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Nicht mehr ganz aktuell aber dennoch: 

KLEINE GESELLSCHAFT FÜR FLORA UND FAUNA

 

  10. April 2015

Erdmute Parautzsch, Ich, Collage, 2015
Erdmute Prautzsch, Ich, Collage, 2015

 

 

 

 

 

 

Die erste Veranstaltung der „Kleinen Gesellschaft“ im Jahr 2015 handelte von „Flora und Fauna“ als uns benachbarten Lebenswelten.

Corinna Korth, Fenster,
Corinna Korth, Fenster,

Wie bei der Kleinen Gesellschaft nicht anders zu erwarten, wurde das Thema weiträumig umspielt: Die poetische Wucht der Vergänglichkeit, flüchtige Erscheinungen, die Präparation der Wildnis, Vorschläge zur Renaturisierung der Natur, ein melancholischer Blumenstrauß–grau in grau und in Öl, verführerisches Gift altmeisterlich in Interferenzfarben, die Begegnung von Mensch und Mammut, Di-, -Tri- und Polyhybride, kurvige Abstraktionen, Ligu-Florale Neukreuzungen, Pastorale, Käfer, Medusen und unheimliche Vögel erwarteten Sie.

Mit von der Partie waren diesmal Arbeiten von:

Wilfried Bauer, Max Baur, AC Baur, Tanja Bächlein und Arne Bunk, Bob Braine und Galerie für Landschaftskunst, Markus Draese, Ralf Jurszo, Karen Koltermann, Corinna Korth, Micha Mohr, Erdmute Prautzsch, Claus Sautter sowie Knik e.V. und Filmclub

Ralf Jurszo, Wolfsbeeren, Acryl auf Leinwand, 60x80 cm , 2004
Ralf Jurszo, Wolfsbeeren, Acryl auf Leinwand, 60×80 cm , 2004

 

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KIZ e. V. präsentierte im März in der Kleinen Gesellschaft :

Finn Kistner, Eden, 2015
Finn Kistner, Eden, 2015

Ergebnisse eines KIZ- Ferien- Workshops von Peter Boué und Claus Sautter mit Schülern der 11. und 12. Klasse.


 “ SCHWARZ WIE DIE NACHT „

Eine Ausstellung mit Fotos und Zeichnungen von:

Wanja Böhme, Pelin Gökay, Merle Greiner, Finn Kistner und Leonard Queitzer.

 

 

 

Zum Abschluss des Jahres luden wir am  13. Dezember 2014

zu einer  Kleinen Gesellschaft für E-Gitarre  ein.

vintageguitars

Was haben wir ihm nicht alles zu verdanken, diesem einfachen Brett mit Saiten und elektomagnetischen Spulen.

Es spielte das  Gitarrenorchester Gilbert Couché

Gitarrenorchester Gilbert Couché, Foto und Copyright by Jörg Böthling
Gitarrenorchester Gilbert Couché, Photo and Copyright by Jörg Böthling

das große Songs der Pophistorie auseinander nimmt und so wieder zusammen setzt, dass nur Kenner sie wieder erkennen.

Die vier Leadgitarristen aus Hamburg Mitte brachten (fast) alle ihre Saiteninstrumente mit und stellten sie uns vor.

Auch der der Kleinen Gesellschaft seit Anbeginn eng verbundene Musiker und Fotokünstler Alexander Rischer ( Sie kennen ihn von denkwürdigen  Auftritten bei uns mit Frank Lüsing als Cardiophon ) präsentierte uns einige sehr exotische E-Gitarren aus seiner Sammlung.

Der Foto- und GitarrenKünstler Alexander Rischer Bild c. Anna Steinert
Foto- und Gitarren-Künstler Alexander Rischer Bild c. Anna Steinert

Zudem gab es 50 Plattencover und andere Bilder und Geschichten zur E-Gitarre, so z.B einige wunderbare Anekdoten über das Fehmarn-Festival 1970 mit Jimi Hendrix, vorgetragen von Rasmus Gerlach, der zu diesem Thema gerade einen Dokumentar-Film vorgelegt hat.

Und es gab einen Mitmachkurs in Luftgitarrenaerobic.

Hier ein älterer Live-Mitschnitt des G.O.G.C. vor großem Publikum…

Aufnahmen, die bei uns entstanden sollen hier demnächst zu hören sein.

übrigens : das Gitarrenorchster spielte am 05.02.2015  im Lichtmeßkino in Altona zu dem Stummfilm von Friedrich W. Murnau. Sunrise, A Song of Two Humans vor ausverkauftem Haus und begeistertem Publikum.

CARDIOPHON

CARDIOPHON
CARDIOPHON

 

Das Trio CARDIOPHON ( Corina Ernst und Frank Lüsing – Gesang, sowie Alexander Rischer  – Elektrische Gitarren ) besteht seit 1993.

In dieser einem klassischen Rockband-Line-Up fernen Besetzung werden Lieder interpretiert, deren Texte, aus verschiedenen Quellen und Epochen zusammengetragen, in einer vorbeiziehenden Art, in breiten Tempi – jedoch unruhig, irgendwo zwischen Folk-Gestus und Kunstliedhaftem vertont sind.

Das Verbindende sind die Motive – pastoral, romantisch, melancholisch – dabei im Vortrag durchaus spröde und verlässlich unseriös.

MASKE

Alexander Raymond, Caput, 2012, Oil on Canvas, Plexiglas, Bicycle Tube, 55x50cm,
Alexander Raymond, Caput, 2012,
Oil on Canvas, Plexiglas, Bicycle Tube, 55x50cm,

 

Die Maske war schon immer da. Die Geschichte der Abbildung des Gesichts ist zunächst die Geschichte der Maske. Ritus und Kultus sind für uns nach wie vor mit ihr verbunden, als einem Gegenstand, der erst darüber Funktion erhält. Aber rituelle Praktiken der Art, wie wir sie aus Afrika oder Ozeanien zu kennen glauben, sind bei uns heute unbekannt. Dennoch entfalten diese Masken noch immer durch bloße Präsenz ohne jeden rituellen Kontext so etwas wie eine Magie des Ausdrucks. Archaik, Ursprünglichkeit und Überzeitlichkeit wären nur einige Stichworte der Faszination, der vor ziemlich genau 100 Jahren nicht nur der Expressionismus Wesentliches verdankte.

„Die Maske hat nur Sinn, wenn sie unpersönlich ist, frei von der Erfahrung des Individuums“, wie Carl Einstein*) damals schrieb, „ als letzte Intensität des Ausdrucks, befreit von jedem psychologischen Entstehen“.

*) Negerplastik, Leipzig 1915 in: Einstein: Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders, Prosa und Schriften,  Leipzig 1989

Alexander Rischer, Anbetende Prinzessin, Hans von der Heide, St. Annen-Museum Lübeck, Schl.–Hoöstein, 1997, Silbergelatine-Print, 30x40cm
Alexander Rischer, Anbetende Prinzessin, Hans von der Heide, St. Annen-Museum Lübeck, Schl.–Holstein, 1997, Silbergelatine-Print, 30x40cm

 

GESICHT

 

Claus Sautter, Gilbert & George, London, 1986
Claus Sautter, Gilbert & George, London, 1986

 

In der Darstellung des menschlichen Gesichts ist über die Zeiten das individuelle Porträt, so wie es uns spätestens seit der Renaissance bekannt ist, nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die Abbildung des Gesichts bedeuten mag. Das Porträt – jedenfalls das, welches physiognomische Ähnlichkeit mit dem Abgebildeten als oberste Maxime erhebt, ist in der Regel flüchtig schon daher, weil Mimik und die Zeit selbst es immer wieder unzureichend erscheinen lassen. Im Porträt jedoch wird das „echte“ Gesicht idealisiert und in den Gegensatz zur Maske gesetzt, welche damit als Synonym für „Täuschung“ steht. Wie aber das Paradox, dass es so und mit vielen Funktionen versehen erst recht das Gesicht zur Maske werden lässt?

Anna Steinert, Betrachtet zu werden Trachtende, 2013,  Übermalung auf Buchseite, Schellack und Oel, 36 x 26,5 cm
Anna Steinert, Betrachtet zu werden Trachtende, 2013,
Übermalung auf Buchseite, Schellack und Oel, 36 x 26,5 cm

So wie Hans Belting *) schreibt, verwandelt das Porträt das Gesicht „zwangsläufig in eine Maske, die immer Abstand zum echten Gesicht hält, weil sie Ersatz für das Gesicht ist“. Belting folgert daraus: „Was in alten Kulturen Masken waren, das sind in der europäischen Neuzeit Porträts geworden“.

*) FACES – eine Geschichte des Gesichts, München 2013

 

Passage

 

Aequatortaufe auf MS Sonneberg, Westafrika, 6.12.1981 Jörg Böthling
Jörg Böthling, Äquatortaufe auf MS Sonneberg, 6.12.1981

 

Seewege werden auch Passagen genannt. Als ginge man durch etwas hindurch wie durch eine Ladenpassage aus dem 19.Jahrhundert. Passieren ist also ein Durchschreiten, ein Durchqueren aber eben auch ein Überqueren, zum Beispiel einer Grenze, und sei es einer imaginären – wie dem Äquator. Dabei kann einem dann durchaus Unangenehmes widerfahren oder eben passieren (s. Bild oben.)

Das Meer hat als weiter, wilder Ort des Geschehens und des Ungewissen die Phantasie der Menschen schon immer bewegt. Krieger wie Händler, Eroberer, Forscher, Auswanderer, Piraten, Kreuzfahrer und vor allem Landratten, Abenteurer aus zweiter Hand. Und Künstler. Helle Oberflächen und finstere Tiefen, Bewegung und Horizont, Reise und Heimkehr, Hoffnung und Scheitern. Die Vielfalt der Metaphorik scheint schier unerschöpflich.  Am Umgang mit ihr lassen sich bei diesem Sujet besonders unverstellte Einsichten über die jeweiligen Entstehungs-Zeiten gewinnen.

 

Horst Sagunski, Zitronen-Segler, Siebdruck auf Leinwand, 2013
Horst Sagunski, Zitronen-Segler, Siebdruck auf Leinwand, 2013

 

 

 

 

Tiefe

 

Peter Boué ,O.T. (Hai), Fettkreide auf Papier, 2003

Peter Boué ,O.T. (Hai), Fettkreide auf Papier, 2003

Naturgemäß denken wir das Meer von der Oberfläche her.              Oben Schiffe – darunter Abgrund– wie tief? Im Durchschnitt sind die Ozeane 4000 Meter tief. In einzelnen Regionen wie dem Marianengraben werden es etwa 11.000 Meter. Der Druck dort unten ist ungeheuer. Alle 10 Meter nimmt er um eine Atmosphäre zu.  Das bedeutet, daß am Boden des Marianengrabens auf jedem Quadratzentimeter ein Gewicht von 1100 kg liegen. Ob es in solchen Tiefen Leben geben kann wurde lange bezweifelt.

Piccard
Jaques Piccard und Don Walsh an Bord der Trieste, 1960

Die Reise dorthin ist für Menschen ähnlich beschwerlich, gefährlich und kostspielig wie die zum Mond. Und so ist  bis heute auch nur eine einzige bemannte Expedition in diese tiefste Tiefe –Hadal genannt – vorgedrungen, das waren 1960  Jacques Piccard und Don Walsh mit dem von Jaques Piccard und seinem Vater Auguste gebauten Bathyskaphen mit Namen Trieste. Ganz unten angekommen in 10.916 Metern Tiefe –  fotografierten sie einen Plattfisch.

 

 

 

 

Zwar hat man festgestellt, dass in jedem Milliliter  Meereswasser  Millionen von Bakterien, Viren und anderen Mikroben leben.            Meeresmikroorganismen bilden , soviel ist sicher, nicht nur die größte Biodiversität sondern auch die bei weitem größte Biomasse des Planeten und produzieren einen enormen Anteil unseres Sauerstoffs.  Doch noch immer wissen wir über die Tiefsee, den grössten Lebensraum der Erde, im Grunde so gut wie nichts .

 

 

 

 

 

Schiffbruch

Claus Sautter, T.T.Tucker, South Africa, Seascape, Seestück
Claus Sautter, The Wreck of the Thomas T. Tucker, South-Africa, Fotografie,1995

Joachim Ringelnatz Flaschenpost

Sie kämpften vergebens. Der Tod, er winkt. Das Schiff geborsten. Es sinkt hinab in die Tiefe, und schaurig klingt der Mannschaft Fluchen und Weinen. Nur der Schiffer steht ruhig im wilden Orkan. Er weiß er hat seine Pflicht getan. Noch ein scharfer Befehl, dann schließt er sich ein. Eine Flasche leert er vom besten Wein auf Glück und Segen der Seinen. Es gurgelt im Schiffsraum, zur Eile´s ihn treibt. Er greift nach Tinte und Feder. Des Schiffes Schicksal und Grüße schreibt er an Weib und Kind und den Reeder. Und die letzte Botschaft nach Seemannsbrauch vertraut er der Flasche gläsernem Bauch, versiegelt den Hals, dann seufzt er schwer, und über die Reling ins brausende Meer wirft er das Glas mit dem Briefe. –– Ein Schiff ruht mehr in der Tiefe.–

Am fernen Strande im Sonnenschein, da spielen zwei Kinder mit Muschel und Stein. Auch ihnen im Herzen die Sonne scheint; Sie wissen ja nicht, dass die Mutter jetzt weint um den Mann, der lang nicht geschrieben, vielleicht–auf dem Meer geblieben. Eine Flasche treibt auf dem Wellenspiegel und bietet den Kleinen ein prächtiges Ziel. Hei, wie in der Sonne sie blinket. Und hurtig von linkischer Kinderhand wird Stein auf Stein nach der Flasche gesandt. Und wie strahlt vor Freude das Kindergesicht, als endlich das gläserne Schiff zerbricht – und jäh im Wasser versinket––

Das Meer birgt schweigend am Grunde voll Mitleid die traurige Kunde.

Koltermann
Karen Koltermann, Out of Area, Mischtechnik auf Papier, 2013

 

Das Meer

Seestück, Schnars Alquist
Hugo Schnars-Alquist, Marinestück, Lichtdruck, 1906

Beim Poseidon – von Kronos verschlungen, von Zeus befreit – jetzt wird´s elementar:

Das Meer ist unser nächstes Sujet.

Wenn wir heute zu fremden Gestaden aufbrechen, Inseln, Kontinente besuchen, nutzen wir Schiffe mit Flügeln, doch noch immer gehen wir an Bord. Vielleicht sind wir dem Meer noch nicht ganz entstiegen, doch wir haben eine andere Draufsicht seit wir fliegen und somit ein anderes Verhältnis zur Oberfläche der See. Heute wissen wir, dass das Meer keineswegs glatt ist, auch wenn gerade kein Wind an ihm reißt hat es doch Berg und Tal nicht nur auf seinem Grund sondern in geringerem Masse auch an der Oberfläche. Der nahe Horizont, wie wir ihn vom Strand her kennen, täuscht uns nicht mehr darüber hinweg, dass unsere Perspektive bedingt durch unsere Kleinheit stark verkürzt ist. Unsere Sicht auf das Meer, die Ozeane, ist eine andere seit Echolot und Jaques Cousteau. Gigantische unterseeische Gebirge, Erdspalten, Gräben, Tektonik, der Himalaya – vor kurzem noch ein Meer ––

Die Bilder die wir vom Meer haben und machen sind andere geworden weil unsere Fragestellungen andere geworden sind als noch zu Zeiten von Ruisdael, Friedrich oder Turner, Courbet oder Manet, Gustave le Gray und Schnars-Alquist, auch wenn sie sich auf den ersten Blick hier und da ähneln mögen. Man denke nur an Sugimoto´s Seestücke in Ihrer vergleichenden Ruhe und Übersicht.

James Hamilton–Paterson schreibt, unsere Angst vor dem Meer sei geringer, seit wir über es hinweg fliegen anstatt es, mit tödlichen Gefahren verbunden, bereisen zu müssen, und dass wir seither das Meer „etwas verklären, als einen Hort des Guten, ähnlich wie die Mitglieder einer seit Langem verstreuten Diaspora dies mit dem Mutterland tun“.

Na dann mal los: machen wir uns über die schwimmenden Müll-Kontinente her!

Stattdessen geht man  profan und völlig ohne Sendung auf Kreuzfahrt, nimmt Theater, Gym, und Shopping- Mall ganz einfach mit, arglos wie nur was – und dann… Costa Concordia, aber das gehört ja fast schon ins Kapitel Schiffbruch.

 

 

Uhren

UHR neu

Meister Helmut Tüxen betreibt das Uhrmacher-Handwerk seit 1968 in der achten Generation, der Familien-Betrieb feierte soeben das 300 jährige Jubiläum, was in Deutschland, möglicherweise sogar in Europa, einmalig ist.

Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Restaurierung von Großuhren privater und öffentlicher Auftraggeber sowie aus Museumsbesitz. Die Uhren stammen oft von Meistern aus dem norddeutschen Raum.

Darüberhinaus hält er Vorträge und verfasst Artikel zum Thema „Antike Uhren“ in Fachzeitschriften.

Seit 1991 Kooperation und gemeinsame Uhrengalerie mit der Kunsthistorikerin und Holzrestauratorin Gesa Timm in Schleswig.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Helmut Tüxen  und Gesa Timm zeigten bei der „Kleinen-Gesellschaft für Zeit“ 7 Antike Großuhren  und  gaben uns eine kurze Einführung in die jeweiligen Besonderheiten und Geschichten dieser Kostbarkeiten.

Zeit

 Vypin Road, Detail
Micha Mohr – Vypin Road, Detail

Der Zeitphilosoph Gernot Böhme setzt dem Verständnis von Zeit als reelem Parameter einerseits die „Zeiterfahrung“ als Dauer und andererseits die Ordnungsfunktion der Zeit als rhythmische Gliederung des Daseins, beispielsweise durch Tages- und Jahreszeiten, entgegen.

Gegen die in der analytischen Philosophie herrschende doppelte Auffassung von Zeit als Serie von Positionen, die nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geordnet sind und als Serie von Positionen, die nach „früher oder später“ geordnet sind, hat Böhme eine neue grundsätzliche Dichotomie eingeführt, nämlich Zeit als Darstellungsmedium und Zeit als Form lebendiger Existenz.
Form lebendiger Existenz ist die Zeit, die wir selbst existierend erfahren: Das, was wir sind, erstreckt sich selbst zeitlich – ähnlich wie eine Melodie.   ( Quelle : Wikipedia/Gernot Böhme)

Man könnte  sagen, wir bewegen uns in einem Feld zwischen Zeit als physikalischer Grösse bis hin zur Idee der Raumzeit, in der die Zeit ja als vierte Dimension gefasst ist, und wahrgenommenen Zeiträumen, die natürlicherweise rein subjektiv sind  und ganz andere Fragen stellen –etwa inwieweit „Interessantheit und Neuheit des Gehalts die Zeit vertreibe, das heißt: verkürze, während Monotonie und Leere ihren Gang beschwere und hemme“. (Thomas Mann im Zauberberg)

– oder Wolfgang Herrndorf in seinem Blog Arbeit und Struktur: „…Gleichzeitig kommt es zu einer subjektiven Zeitausdehnung um den Faktor5 bis 6. Ich teste das indem ich immer, bevor ich auf die Uhr blicke, die Zeit schätze. Auch als ich die merkwürdige Diskrepanz lange genug beobachtet habe und bei meinen Schätzungen zu berücksichtigen versuche, bleibt es dabei: Ich tippe weiter um den Faktor 5 daneben. Subjektiv sind fünf Stunden vergangen, tatsächlich ist es nur eine. Auch alle Fußwege verlängern sich um denselben Faktor, und ich brauche eine Weile, um zu begreifen, dass ich weder langsam bin noch in meiner Schusseligkeit Umwege gehe, sondern dass Weg und Zeit proportional sind: Meine ganze Welt dehnt sich aus.“

(Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur / Rückblende Teil 4: Das Moleskine)