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Das Meer

Seestück, Schnars Alquist
Hugo Schnars-Alquist, Marinestück, Lichtdruck, 1906

Beim Poseidon – von Kronos verschlungen, von Zeus befreit – jetzt wird´s elementar:

Das Meer ist unser nächstes Sujet.

Wenn wir heute zu fremden Gestaden aufbrechen, Inseln, Kontinente besuchen, nutzen wir Schiffe mit Flügeln, doch noch immer gehen wir an Bord. Vielleicht sind wir dem Meer noch nicht ganz entstiegen, doch wir haben eine andere Draufsicht seit wir fliegen und somit ein anderes Verhältnis zur Oberfläche der See. Heute wissen wir, dass das Meer keineswegs glatt ist, auch wenn gerade kein Wind an ihm reißt hat es doch Berg und Tal nicht nur auf seinem Grund sondern in geringerem Masse auch an der Oberfläche. Der nahe Horizont, wie wir ihn vom Strand her kennen, täuscht uns nicht mehr darüber hinweg, dass unsere Perspektive bedingt durch unsere Kleinheit stark verkürzt ist. Unsere Sicht auf das Meer, die Ozeane, ist eine andere seit Echolot und Jaques Cousteau. Gigantische unterseeische Gebirge, Erdspalten, Gräben, Tektonik, der Himalaya – vor kurzem noch ein Meer ––

Die Bilder die wir vom Meer haben und machen sind andere geworden weil unsere Fragestellungen andere geworden sind als noch zu Zeiten von Ruisdael, Friedrich oder Turner, Courbet oder Manet, Gustave le Gray und Schnars-Alquist, auch wenn sie sich auf den ersten Blick hier und da ähneln mögen. Man denke nur an Sugimoto´s Seestücke in Ihrer vergleichenden Ruhe und Übersicht.

James Hamilton–Paterson schreibt, unsere Angst vor dem Meer sei geringer, seit wir über es hinweg fliegen anstatt es, mit tödlichen Gefahren verbunden, bereisen zu müssen, und dass wir seither das Meer „etwas verklären, als einen Hort des Guten, ähnlich wie die Mitglieder einer seit Langem verstreuten Diaspora dies mit dem Mutterland tun“.

Na dann mal los: machen wir uns über die schwimmenden Müll-Kontinente her!

Stattdessen geht man  profan und völlig ohne Sendung auf Kreuzfahrt, nimmt Theater, Gym, und Shopping- Mall ganz einfach mit, arglos wie nur was – und dann… Costa Concordia, aber das gehört ja fast schon ins Kapitel Schiffbruch.