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Zeit

 Vypin Road, Detail
Micha Mohr – Vypin Road, Detail

Der Zeitphilosoph Gernot Böhme setzt dem Verständnis von Zeit als reelem Parameter einerseits die „Zeiterfahrung“ als Dauer und andererseits die Ordnungsfunktion der Zeit als rhythmische Gliederung des Daseins, beispielsweise durch Tages- und Jahreszeiten, entgegen.

Gegen die in der analytischen Philosophie herrschende doppelte Auffassung von Zeit als Serie von Positionen, die nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geordnet sind und als Serie von Positionen, die nach „früher oder später“ geordnet sind, hat Böhme eine neue grundsätzliche Dichotomie eingeführt, nämlich Zeit als Darstellungsmedium und Zeit als Form lebendiger Existenz.
Form lebendiger Existenz ist die Zeit, die wir selbst existierend erfahren: Das, was wir sind, erstreckt sich selbst zeitlich – ähnlich wie eine Melodie.   ( Quelle : Wikipedia/Gernot Böhme)

Man könnte  sagen, wir bewegen uns in einem Feld zwischen Zeit als physikalischer Grösse bis hin zur Idee der Raumzeit, in der die Zeit ja als vierte Dimension gefasst ist, und wahrgenommenen Zeiträumen, die natürlicherweise rein subjektiv sind  und ganz andere Fragen stellen –etwa inwieweit „Interessantheit und Neuheit des Gehalts die Zeit vertreibe, das heißt: verkürze, während Monotonie und Leere ihren Gang beschwere und hemme“. (Thomas Mann im Zauberberg)

– oder Wolfgang Herrndorf in seinem Blog Arbeit und Struktur: „…Gleichzeitig kommt es zu einer subjektiven Zeitausdehnung um den Faktor5 bis 6. Ich teste das indem ich immer, bevor ich auf die Uhr blicke, die Zeit schätze. Auch als ich die merkwürdige Diskrepanz lange genug beobachtet habe und bei meinen Schätzungen zu berücksichtigen versuche, bleibt es dabei: Ich tippe weiter um den Faktor 5 daneben. Subjektiv sind fünf Stunden vergangen, tatsächlich ist es nur eine. Auch alle Fußwege verlängern sich um denselben Faktor, und ich brauche eine Weile, um zu begreifen, dass ich weder langsam bin noch in meiner Schusseligkeit Umwege gehe, sondern dass Weg und Zeit proportional sind: Meine ganze Welt dehnt sich aus.“

(Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur / Rückblende Teil 4: Das Moleskine)